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Fuerther Nachrichten, 30.10.2007

Die Frau in Schwarz
Esther Ofarims selig machendes Konzert
  
Eine offene Bühne, ein Flügel, Notenständer, Kontrabass. Dunkler Vorhang, wenig Licht. Der Pianist verbeugt sich kurz, dann spielt er die ersten Takte von «Every night». Esther Ofarim betritt die Bühne, ohne Diva-Pose, ganz in Schwarz mit flammend rotem Haar. Heftiger Applaus, der auch dann nicht endet, als das Vorspiel eigentlich vorbei ist. Yoni Rechter – Pianist, Komponist und genialer Arrangeur aller Stücke – wiederholt also lächelnd einige Takte, bevor die Dame des Abends mit ihrem klaren Sopran einsteigen kann.

Und sofort hat sie das gesamte, fast ausverkaufte Stadttheater in ihren Bann gezogen. Esther Ofarim, die seit über vier Jahrzehnten auf der Bühne steht, als Schauspielerin Erfolge feierte, in den Sechzigern mit ihrem damaligen Ehemann Abi Ofarim ein Gesangsduo der Superlative bildete und seit einigen Jahren als Solokünstlerin wieder auf sich aufmerksam macht, wirkt darüber leicht erstaunt und hoch erfreut. Gelöst atmet sie auf.

«Dirty old Town», das viele im Publikum noch aus alten Zeiten kennen, lässt das Wohlfühlbarometer im Saal noch ein paar Grade nach oben schnellen. Doch nicht nur die Erinnerung an damals ist es, die hier wirkt. Auch die wunderbare Besetzung mit den hervorragenden Musikern Michail Paweletz an der Violine und Albert Sommer am Bass sowie die immer noch wunderbar glashelle Stimme der Sängerin geben dem Abend ein ganz besonderes Leuchten. Ofarim, die mit ihrem gereiften Timbre, ihrem empfindsamen Ausdruck und ihren unangestrengten Höhen für einige Gänsehaut sorgt, ist vor allem in den Liedern, in denen sie verstanden wird, einzigartig – neben englisch, französisch, spanisch und einer Zugabe auf deutsch singt sie an diesem Abend vorwiegend hebräisch.

So ist beispielsweise das von Lennon/McCartney geschriebene «She’s leaving home» gekonnt auf sie zugeschnitten, die Interpretation mehr als nur gelungen. Man hört neben dem brennenden, verletzten Stolz der verlassenen Eltern genauso die aufregend leuchtende, nur leise bedauernde Aufbruchstimmung der jungen Ausreißerin, die soeben die Tür ihres Elternhauses hinter sich geschlossen hat.

Ähnlich beeindruckend, ausdrucksvoll, berührend sind Lieder wie «Bird on a wire» von Leonard Cohen, das spritzige «Moon of Alabama» von Weill/Brecht, das innige und verhalten gesungene «Somewhere over the Rainbow» oder das von Rechter komponierte «Ten li jad». Nach dem mitreißenden und absolut glaubwürdigen «Mad about the Boy» von Noel Coward gab es spontane Bravo-Rufe, die die Wahlhamburgerin – ihre wenigen Ansagen machte sie übrigens auf deutsch – mit einem Lächeln dankend annahm.

Unangefochtener Höhepunkt des Konzertes war jedoch die erste Zugabe. «Morning of my Life», jener Klassiker, der schon nach den ersten Takten begeisterten Beifall hervorrief, trieb einigen Zuschauern sichtlich das Wasser in die Augen. Zart, fragil, strahlend und licht, so setzte Esther Ofarim den letzten Höhepunkt, bevor die beseelten Zuschauer nach einem leisen «Gruß» von Felix Mendelssohn-Bartholdy nach Hause geschickt wurden.

Langer, liebevoller, dankbarer Applaus.

CHRISTINE STUBENVOLL
30.10.2007

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